
Kein Halt für Booßen - Reaktivierung rückt erneut in Ferne
07.10.2026
Wenig Hoffnung für eine Reaktivierung des Bahnhofs an der Bahnstrecke RB60. Stadt Frankfurt (Oder) und beteilige sind Enttäuscht.
Kein Halt für Booßen: Land stoppt Reaktivierung
Booßen. Die Hoffnung auf eine Reaktivierung des Bahnhofs Booßen an der Regionalbahnlinie RB60 ist vorerst beendet. Das Land Brandenburg hat die Pläne gestoppt. Grund dafür sind nach Angaben des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) fehlende finanzielle Mittel. Damit rückt ein Bahnanschluss für den Frankfurter Ortsteil in weite Ferne.
Statt in die Reaktivierung weiterer Haltepunkte zu investieren, will das Land den Schwerpunkt zunächst auf den Erhalt und die Sanierung der bestehenden Schieneninfrastruktur legen. Für die Reaktivierung des Bahnhofs Booßen soll zudem kein neues Fahrgastgutachten in Auftrag gegeben werden.
Die Entscheidung trifft eine Initiative, die sich über Jahre für den Bahnhalt eingesetzt hatte. Gemeinsam mit der Stadt wurde immer wieder für eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs in Booßen geworben. Eine Petition und eine Demonstration sollten den politischen Druck erhöhen und auf die Bedeutung des Bahnhofs für den Ortsteil aufmerksam machen.
Bei der Stadt Frankfurt (Oder) sorgt die Entscheidung entsprechend für Enttäuschung. Oberbürgermeister René Strasser bedauert, dass die Pläne nicht weiterverfolgt werden können. Eine eigenständige Finanzierung der notwendigen Untersuchungen durch die Stadt sei jedoch nicht möglich. Damit fehlt eine wesentliche Voraussetzung, um das Vorhaben aus eigener Kraft weiter voranzutreiben.
Auch in Booßen selbst ist die Ernüchterung groß. Ortsvorsteherin Krüger spricht von einem „Schock“. Nach Jahren des Engagements stelle sich nun die Frage, ob es überhaupt noch sinnvoll sei, weiter für die Reaktivierung des Bahnhofs zu kämpfen.
Auch die Wriezener Bahn steht vorerst still
Nicht nur Booßen ist von der derzeit angespannten Finanzierung der Schieneninfrastruktur betroffen. Auch die Pläne für die Wriezener Bahn beziehungsweise eine mögliche Wiederaufnahme des Bahnverkehrs sind momentan ins Stocken geraten. Hier läuft weiterhin eine Nutzen-Kosten-Untersuchung, deren Ergebnis eine wichtige Grundlage für die weitere Bewertung des Projekts sein soll. Doch unabhängig davon, wie diese Untersuchung ausfällt, bleibt ein entscheidendes Problem bestehen: Derzeit fehlt das Geld, um den notwendigen Ausbau der Strecke tatsächlich voranzutreiben.
Ein positives Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung allein würde damit noch nicht automatisch dazu führen, dass die Strecke kurzfristig ausgebaut oder der Zugverkehr wieder aufgenommen werden kann. Damit zeigt sich ein grundsätzliches Problem bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und Haltepunkte: Selbst wenn der verkehrliche Nutzen nachgewiesen werden kann, müssen anschließend auch die finanziellen Mittel für Planung, Ausbau und Sanierung bereitstehen.
Für Booßen bedeutet die Entscheidung zunächst das Aus für die Hoffnung auf einen eigenen Anschluss an die RB60. Bei der Wriezener Bahn bleibt das Ergebnis der laufenden Untersuchung abzuwarten. Wann allerdings tatsächlich Geld für die notwendigen Investitionen zur Verfügung stehen könnte, ist derzeit offen. Für die Befürworter besserer Bahnverbindungen in der Region bleibt damit vor allem eine Erkenntnis: Der Bedarf und ein möglicher Nutzen allein reichen derzeit nicht aus – entscheidend ist, ob die notwendigen Investitionen auch finanziert werden können.
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